„Sollten wir die langen Gedankenstriche vielleicht rausnehmen? Ich habe gelesen, dass sie ein Zeichen für den Einsatz von GenAI sind.“
Weil ich das von Kunden immer wieder höre, möchte ich ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Denn der em dash – angeblich ein sicheres Zeichen für KI-Nutzung – bedeutet noch lange nicht, dass der Text mit ChatGPT oder einem anderen generativen KI-Tool erstellt wurde.
Em dash, en dash oder Bindestrich – alles dasselbe?
Fangen wir mit den Grundlagen der englischen Zeichensetzung an: dem Unterschied zwischen em dash, en dash und Bindestrich. Hier eine kurze Übersicht:
Hyphens (Bindestriche) verbinden Wörter oder bilden zusammengesetzte Begriffe, zum Beispiel „up-to-date“ oder „well-being“. In den letzten Jahren hat sich ein Trend weg vom Bindestrich entwickelt, und viele Wörter werden inzwischen ohne geschrieben. Aus „well-being“ wird „wellbeing“. Das kann zu Verwirrung führen, wie diese Agentur festgestellt hat – zum Beispiel bei Wörtern wie „cyberattack“ und „cyber resilience“. Auch ich habe Kunden aus der Cybersicherheitsbranche, und nach anfänglicher Unsicherheit haben wir gemeinsam festgelegt, welche Wörter mit Bindestrich geschrieben werden. In vielen Fällen gibt es kein Richtig oder Falsch – wichtig ist nur, dass du konsequent bleibst.
Em dashes sind die Diven in der Bindestrich-Freundesgruppe. Sie können verwendet werden, um zusätzliche Informationen einzufügen, dem Lesenden das Verständnis eines langen, komplexen Satzes zu erleichtern oder einen Richtungs- oder Tonwechsel anzuzeigen. Em dashes werden in der Regel ohne Leerzeichen gesetzt—so wie hier—obwohl einige amerikanische Stilratgeber Leerzeichen bevorzugen — so wie hier. Ich habe festgestellt, dass manche deutschen Unternehmen die Variante mit Leerzeichen bevorzugen – auch das ist völlig in Ordnung, solange du dich für eine Version entscheidest und dabei bleibst.
En dashes sind die britische Version des em dash – nicht ganz so dramatisch wie ihre amerikanischen Cousins, aber auf die gleiche Weise eingesetzt – mit einem Leerzeichen auf beiden Seiten. En dashes werden außerdem für Zeitspannen und Strecken im britischen und amerikanischen Englisch verwendet, zum Beispiel „from 1987–1992″ oder „the Dundee–London train“.
Übrigens: Der en dash ist deutschen Lesenden gut vertraut – er entspricht dem deutschen Gedankenstrich, der ebenfalls mit Leerzeichen gesetzt wird. Der em dash hingegen ist im Deutschen nicht gebräuchlich, was möglicherweise erklärt, warum er in englischen Texten so ins Auge fällt – besonders wenn er ohne Leerzeichen gesetzt wird.
Falls du dich fragst, woher die Begriffe em dash und en dash stammen, ist die Antwort ganz einfach. Zu Zeiten des Holz- und Metalldrucks hatte der em dash die Breite des Buchstabens „m“ und der en dash die Breite des Buchstabens „n“.
Und was ist mit Klammern?
Vor Kurzem habe ich ein Dokument bearbeitet, das sehr viele Klammern enthielt (also diese runden Zeichen, die verwendet werden, um einem Satz zusätzliche Informationen hinzuzufügen). Ich bin kein großer Fan von Klammern, da ich finde, dass sie den Lesefluss unterbrechen – sie werden eher zum Stolperstein als zu einer hilfreichen Ergänzung. Bei der Recherche für diesen Artikel bin ich auf diesen hervorragenden Blogbeitrag gestoßen, der die Vorteile des em dash gegenüber Klammern wunderbar erklärt.
Übersetzung:
Am häufigsten dient er als leichtere, durchlässigere Alternative zu Klammern. Klammern stellen einen Gedanken unter Quarantäne – sie signalisieren, dass das Folgende optional, zweitrangig oder zum Überfliegen geeignet ist. Der em dash hingegen besteht darauf, dass der eingeschobene Teil gelesen wird. Er erlaubt einem Satz, kurz den Blickwinkel zu erweitern, ohne die Kontrolle über das Argument aufzugeben. Der Effekt ist nicht entschuldigend, sondern gesprächig: Der Satz hält inne, wendet sich kurz ab und setzt dann mit mehr Tiefe fort.
Zum Vergleich:
• The meeting—which should have ended an hour ago—continued interminably.
• The meeting (which should have ended an hour ago) continued interminably.
Das erste lebt; das zweite entschuldigt sich.
Wie Dr. Winter in seinem Blogbeitrag erklärt, hat die Häufung von em dashes in KI-Texten einen einfachen Grund: Die Modelle werden mit menschlich erstellten Texten trainiert.
Also, was hat es mit dem em dash und KI auf sich?
Wenn du „AI em dash“ googelst, findest du jede Menge aufgebrachte Autoren, die bereit sind, ihre Lieblingszeichensetzung bis aufs Blut zu verteidigen.
Es ist eine bittere Ironie: Kunden bitten uns, Satzzeichen zu entfernen, die seit Jahrhunderten existieren – nur weil die Maschinen sich bei unseren besten Autoren bedient haben – Shakespeare, Jane Austen, Emily Dickinson, Henry James.
Noch vor ein, zwei Jahren wussten nur Grammatiknerds und Grafikdesigner den Unterschied zwischen en dash, em dash und Bindestrich. Die meisten Lesenden haben sie einfach überflogen, ohne sie zu bemerken – geschweige denn, dass sie wussten, dass es verschiedene Arten von Strichen und Zeichensetzungsstilen gibt. Mit dem Aufkommen von KI wurde der em dash plötzlich zu einem „Erkennungszeichen“ – und auf einmal fiel allen auf.
Em dashes fühlen sich für deutschsprachige Muttersprachler wahrscheinlich etwas seltsam an, besonders wenn sie ohne Leerzeichen gesetzt werden – aber das ist kein Grund, sie nicht zu verwenden.
Fazit
Der em dash ist kein Zeichen für KI-generierte Texte. Er ist ein Satzzeichen mit Geschichte, Charakter und einer langen Liste von Fans – von Shakespeare bis zu deiner Lieblingsbloggerin. Ein gut geschriebener Text mit klarer Struktur, der den Lesenden einen echten Mehrwert bietet oder unterhält, ist wichtiger als die Frage, ob ein kurzer oder langer Strich verwendet wurde.
Mein Rat: Verwende den em dash, wenn er dir gefällt. Und wenn du dir wirklich unsicher bist, ob ein Text von KI generiert wurde, schau genauer auf den Inhalt – nicht auf die Satzzeichen.
In meinem nächsten Beitrag zur englischen Zeichensetzung schreibe ich über das Lieblingszeichen der Deutschen – und warum man es im Englischen besser sparsam einsetzt. Kannst du erraten, was es ist?